Von Patrizia Barbuiani und Markus Zohner kann man nicht genug bekommen


Von der Komik in der Erotik

Unerschöpflicher Einfallsreichtum

Patrizia Barbuiani und Markus Zohner erzählten mit Körper und Stimme Geschichten aus „1001 Nacht“.
Zwei Stühle, sonst nichts.
Die Bühne ist leer.
Aus diesem Nichts zaubern Patrizia Barbuiani und Markus Zohner die poesievollen und die prallen Geschichten aus „1001 Nacht“.
Natürlich nicht alle. Der Abend würde zu lang. Doch auf lange Geschichten, die sie in handliche Kurzform packen, verstehen sich die beiden.
Vor Homers „Odyssee“ schreckten sie nicht zurück, vielmehr verwandelten sie das Fundament abendländischer Bildung in einen lebendig gewordenen Comic. Der war vor drei Jahren in einer Forum-Studio-Produktion in Leverkusen zu sehen.
Weil sich das Publikum daran so ergötzte, verpflichtete der Kulturbereich der Stadt das Duo erneut.


Nun also ging's in die sinnliche Welt des Orient. Patrizia Barbuiani und Markus Zohner erzählen, spielen, mimen. Das vor allem. Die Pantomime ist das Gerüst dieser Form von Theater. Zwei Stunden sind sie von Kopf bis Fuß auf Handlung eingestellt, dabei ist der karge Untersatz die Basis für die Bilder, die sie in den Köpfen der Zuschauer entstehen lassen: Die Füße tippeln über ein kostbares Bad-Mosaik, jagen als Pferdehufe durch die Wüste, schlendern durch enge Bazar-Gassen oder strecken sich wohlig in weichem Pfühl aus. Denn das ist die Ausgangslage, die das Duo aufgreift und zu der es immer wieder, wie in der Vorlage auch, zurückkehrt: Scheherazade seufzt, Schehrijar gähnt und ist doch von den Erzählungen seiner liebreizenden Bettgefährtin so gefesselt, dass er ihre Hinrichtung von Tag zu Tag verschiebt, weil sie ihn Nacht für Nacht im Ungewissen lässt, wie die Geschichten ausgehen.

Anders als die klassischen Pantomimen setzen die beiden ihre Stimmen mit ein. Das machen sie ebenso virtuos wie sie ihre Körper verrenken und verbiegen und dabei immer auf ihren Stühle sitzenbleiben. In manchen Episoden erreicht Markus Zohner Bauchredner-QuaIitäten. Der Einfallsreichtum, mit ganz wenigen Gesten ganz viel darzustellen, ist unerschöpflich. Offenbar haben Schweizer Schauspieler, besonders diejenigen, die im Tessin leben und arbeiten, eine besondere Gabe dieser phantastischen Erzählkunst entwickelt, denn auch das Theater Dimitri ist dort beheimatet, wenn auch nicht an der Ufern des Luganer Sees wohl aber am Lago Maggiore. Also gleich um die Ecke.

Um die Ecke musste das Publikum nicht denken, um die Fülle der ineinandergefädelten Geschichten aufzudröseln: hingucken, sich überraschen lassen und - das Lachen nicht vergessen. Das ist das Rezept. Weil die Compagnie auch weiterhin an neuen Programmen spinnt, an „Hamlet“ zum Beispiel, ist die Frage von Sein oder Nichtsein im Forum überflüssig. Es muss sein. Von Patrizia Barbuiani und Markus Zohner kann man nicht genug bekommen.



Zeitung Kölner Stadt-Anzeiger
Erscheinungsdatum 09.03.06
Erscheinungsort Köln
Autor INGEBORG SCHWENKE-RUNKEL
Pressemeldung als PDF Die Original-Kritik im PDF-Format
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